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DIID-Workshop des NewOrder-Projekts

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V.l.n.r.: Frank Marcinkowski, Eva Rudholzer, Julia Mirkin, Laura Kallmeyer, Stefan Dietze, Isabella Peters, Dimitar Dimitrov (vorne), Christian Koß (hinten), Sonja Utz, Nicole Krämer, Philipp Meier, Sebastian Schellhammer, Katarina Boland

Am Dienstag und Mittwoch den 16. und 17.12.2025 trafen sich die Beteiligten des NewOrder-Projekts im Rahmen eines DIID-Workshop auf Schloss Mickeln. In der erfrischenden Atmosphäre des Schlosses wurde über den aktuellen Stand und die zukünftige Entwicklung des Projekts gesprochen. Das DIID und das HeiCAD unterstützen dabei die Durchführung dieses Workshops.

Nach der Begrüßung durch Workshoporganisatorin Katarina Boland eröffnete eine kurze Vorstellungsrunde den Workshop. Anschließend führten Stefan Dietze und Frank Marcinkowski in das interdisziplinäre Forschungsprojekt NewOrder ein, das sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf das Wissenschaftssystem befasst. Die Digitalisierung wurde dabei als tiefgreifender Transformationsprozess beschrieben, der nicht nur die interne Struktur von Wissenschaft verändert, sondern auch das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft neu ordnet. Thematisch befasst sich NewOrder unter anderem mit Wissenschaftskommunikation in sozialen Medien sowie mit der Entwicklung öffentlichen Vertrauens in die Wissenschaft. Der interdisziplinäre Ansatz verbindet Expertise aus der Kognitionspsychologie, den Sozial- und Kommunikationswissenschaften sowie der Informatik.

Im Anschluss präsentierten Sonja Utz und Eva Rudholzer ihre Forschung zur Rollenwahrnehmung auf Social Media. Die Studie zeigte, dass Rollenhinweise in Social Media Profilen (Wissenschaftler:in, Journalist:in, Laie) die Glaubwürdigkeit wissenschaftlicher Aussagen beeinflussten, jedoch häufig nur oberflächlich verarbeitet wurden. In einem experimentellen Feed wurden Beiträge von Laien als weniger glaubwürdig eingeschätzt, während Beiträge von Journalist:innen und Wissenschaftler:innen ähnlich bewertet wurden. Entfernte man die Rollenhinweise, verschwand dieser Effekt nahezu vollständig. 

Nach einer Kaffeepause präsentierte Nicole Krämer unter dem Titel „Dr. Who? Science Communicators in Social Media“ mehrere Studien zur Vertrauenswürdigkeit von Wissenschaftler:innen in sozialen Medien. Die Ergebnisse zeigen, dass akademische Titel und erhöhte Sichtbarkeit die Zuschreibung von Expertise und Integrität fördern, wobei Wissenschaftlerinnen insgesamt als kompetenter wahrgenommen wurden als ihre männlichen Kollegen. Wissenschaftliche Evidenz wurde als glaubwürdiger eingeschätzt als anekdotische, hatte jedoch keinen direkten Einfluss auf Vertrauen. Kommentare wirkten sich nicht auf Glaubwürdigkeit aus, allerdings führte wissenschaftliche Evidenz in negativ-aufgeladenen Kommentarspalten zu einer Vertrauenssteigerung. Zudem kann Fachjargon das Verständnis und damit die Glaubwürdigkeit reduzieren, steigert diese jedoch bei erfolgreichem Verständnis.

Den Abschluss der Vortragsreihe des ersten Workshoptages bildete Julia Mirkin mit einem philosophisch-theoretischen Beitrag zum Vertrauen in die Wissenschaft. Ausgehend von einem philosophischen Vertrauenskonzept, das zwischen einem Truster und einem Trustee unterscheidet, übertrug sie das Konzept auf das Verhältnis zwischen Bürger:innen, Wissenschaftler:innen und wissenschaftlicher Erkenntnis. Sie argumentierte, dass derzeit eine Verschiebung von Vertrauen in die Wissenschaft hin zu pseudowissenschaftlichen Akteuren zu beobachten sei. Zur Stärkung des Vertrauens identifizierte sie auf Seiten der Truster insbesondere Debunking- und Prebunking-Strategien als wirksam, während auf Seiten der Wissenschaftler:innen hochwertige Wissenschaftskommunikation und die Vermeidung von Politisierung der Wissenschaft zentral seien. Der Vortrag regte eine intensive Diskussion über Chancen und Risiken einer Involvierung von Wissenschaftler:innen in politische Entscheidungen an.

Katarina Boland schloss den ersten Workshoptag mit einem kurzen Resümee. Der Tag klang in geselliger Atmosphäre bei einem gemeinsamen Abendessen und Glühwein aus.

Der zweite Workshoptag begann mit der Vorstellung eines Arbeitspakets von Sebastian Schellhammer zu hyperpartisanen Headlines in wissenschaftlichen Nachrichtenartikeln. Mithilfe eines annotierten Datensatzes und maschinellen Lernens wurde untersucht, wie wissenschaftliche Artikel in journalistischen Beiträgen und auf Social Media verwendet werden. Die Ergebnisse zeigen, dass hyperpartisane Überschriften vor allem bei extremen Outlets sowie in sozialen Medien (in diesem Fall Twitter) auftreten. Thematisch werden vor allem Paper zu Politik, Wahlen und öffentlicher Meinung (z.B. Desinformation) in Nachrichtenüberschriften behandelt, mit deutlichen Unterschieden zwischen links- und rechtsgerichteten Outlets.

Im Anschluss thematisierten Christian Koß und Frank Marcinkowski die Rolle von Preprints im Wissenschafts- und Mediensystem. Im Zuge dessen führten sie eine bundesweite Befragung von 1.100 Wissenschaftler:innen zur Verbreitung von Preprints in ihrer Arbeit durch. Insgesamt offenbarte dies eine hohe Bereitschaft zur Veröffentlichung von Preprints, die jedoch stark je nach Disziplin schwankt. So sind Preprints innerhalb der Naturwissenschaften üblicher als z.B. in den Geisteswissenschaften. Forschende fürchten jedoch weniger eine Schädigung des Wissenschaftssystems selbst durch die Nutzung von Preprints, sondern vielmehr einen Reputationsverlust in der öffentlichen Wahrnehmung. Dennoch ist der Begriff selbst sowie Strukturen um die Nutzung von Preprints sehr heterogen, wodurch die Vergleichbarkeit der Disziplinen erschwert wird.

Nach einer kurzen Kaffeepause folgte ein Impulsvortrag von Isabella Peters zu vergangenen Projekten wie DESIVE2, MeWiKo und VOICES, die sich mit Informationsverhaltensforschung, dem wissenschaftlichen Umgang mit Desinformation, Wissenschaftskommunikation sowie dem veränderten Umgang des Journalismus mit dem Wissenschaftssystem während und nach der Pandemie beschäftigten.

Der Tag endete mit einem Workshop zur Identifikation von zukünftigen Schritten und Anknüpfungspunkten des NewOrder-Projekts. Dabei identifizierten die Teilnehmenden vor allem Forschungsideen zum Einfluss von Hyperpartisanship auf das Vertrauen in Wissenschaft und Journalismus sowie zur Indikation und Effekten politisierter Wissenschaft.

Der Workshop schloss mit einer Feedbackrunde, in der die Teilnehmenden die offene Atmosphäre und den intensiven fachlichen Austausch hervorhoben. Die diskutierten Themen und Ideen bilden eine solide Grundlage für die weitere Zusammenarbeit und die konzeptionelle Weiterentwicklung des Projekts.