Wie steht es um die digitale Bürgerbeteiligung in deutschen Kommunen? Und unter welchen Bedingungen gelingt ihre nachhaltige Verankerung in Verwaltungsstrukturen? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt des Fachevents „Von Daten zu Taten“, das am 11. Februar 2026 in Berlin stattgefunden hat.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden erstmals Ergebnisse des von der Stiftung Mercator geförderten Projekts Erfolgsfaktoren lokaler E-Partizipation präsentiert, der ersten bundesweiten Vollerhebung zur digitalen Partizipation auf kommunaler Ebene. Als Teil des Projektkonsortiums war das DIID – vertreten durch Prof. Dr. Stefan Marschall (Projektleitung) und Dr. Nadja Wilker (Projektmitarbeiterin) – an der Konzeption und Durchführung der Studie beteiligt und brachte seine Expertise in den Austausch mit Vertreter:innen aus Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft ein.
Erste bundesweite Datengrundlage zur lokalen E-Partizipation
Mit der Erhebung liegt erstmals eine systematische und empirisch fundierte Datengrundlage zur digitalen Bürgerbeteiligung in deutschen Kommunen vor. Die Ergebnisse zeigen, dass derzeit rund ein Drittel (33 %) der befragten Kommunen digitale Beteiligungsformate anbietet, während weitere 14 % entsprechende Maßnahmen planen.
Dabei wird deutlich, dass die Verbreitung digitaler Partizipation stark von strukturellen Rahmenbedingungen innerhalb der Verwaltung abhängt. Etwa von personellen und finanziellen Ressourcen. Während entsprechende Angebote in Großstädten bereits deutlich stärker etabliert sind, zeigt sich insbesondere in kleineren und mittleren Kommunen ein differenziertes Bild. Bemerkenswert ist zudem ein herausgearbeiteter regionaler Effekt: Kommunen in Ostdeutschland bieten häufiger digitale Beteiligungsformate an als ihre Pendants in Westdeutschland. Dies zeigt sich insbesondere bei mittelgroßen und kleinen Städten. Umgekehrt sieht es dagegen bei den Großstädten aus, da liegen die westdeutschen Kommunen vorne. Neben der Verbreitung digitaler Beteiligungsangebote ging es auch um die damit verbundenen Themen, Ziele und Formate. Bei den Zielen geht es den Kommunen in erster Linie um die Verbesserung der Transparenz politischer Entscheidungsprozesse, stärkere Einbeziehung von bislang unterrepräsentierten Gruppen bzw. generell um mehr Mitsprachemöglichkeiten für Bürger:innen. Bei den Formaten zeigt sich eine vielfältige Landschaft, die von der Beteiligung über zentrale Beteiligungsplattformen über die Nutzung von Messenger-Diensten.
Dashboard ermöglicht kartenbasierte Analyse
Im Rahmen der Veranstaltung wurde zudem ein interaktives Dashboard vorgestellt, das die Ergebnisse der Erhebung kartenbasiert visualisiert und eine differenzierte Analyse der lokalen Beteiligungslandschaft ermöglicht. Ziel ist es, Kommunen, politischen Entscheidungsträger:innen und weiteren Akteur:innen damit eine evidenzbasierte Grundlage für die Weiterentwicklung digitaler Beteiligungsformate bereitzustellen und die Vernetzung zu suchen.
Zwischen punktueller Beteiligung und dauerhaftem Dialog
In der anschließenden Paneldiskussion wurde eine zentrale Herausforderung deutlich: Während Beteiligungsprozesse in der kommunalen Praxis häufig anlassbezogen und zeitlich begrenzt organisiert sind, besteht auf Seiten der Bürger:innen oftmals ein kontinuierlicher Kommunikations- und Beteiligungsbedarf, der über konkrete Verfahren hinausgeht.
Vor diesem Hintergrund wurde diskutiert, wie digitale – insbesondere aufsuchende – Beteiligungsformate dazu beitragen können, neue Räume für einen dauerhaften Dialog zwischen Verwaltung und Stadtgesellschaft zu schaffen.
Am Nachmittag wurde die Diskussion in vier Workshop-Formaten noch vertieft. In den Workshops wurde zu den Themen Akteure der Beteiligung, Prozessgestaltung, Erwartungen an Beteiligung sowie zur Rolle von KI in der Beteiligung weitergedacht und der Austausch gesucht.
Nachhaltige Verankerung als zentrale Herausforderung
Die Veranstaltung machte deutlich, dass der entscheidende nächste Schritt nicht allein in der Einführung digitaler Beteiligungsangebote liegt, sondern in deren langfristiger institutioneller Verankerung. Als zentrale Erfolgsfaktoren wurden hierbei insbesondere vernetzte Verwaltungsprozesse, interoperable Plattformlösungen, nachhaltige technische Infrastrukturen sowie eine verbesserte Nachnutzbarkeit der im Rahmen digitaler Beteiligungsverfahren generierten Daten identifiziert.
Das DIID wird die gewonnenen Erkenntnisse im weiteren Projektverlauf gemeinsam mit den Konsortialpartnern vertiefen und in Handlungsempfehlungen für die kommunale Praxis überführen. Updates zum Projekt finden sich auch auf der Projektwebseite.